Beschluss auf der Landesdelegiertenkonferenz 2024 in Lindau
Obsthummel, Feuersalamander oder Spatz – sie brauchen uns nicht, doch wir Menschen brauchen sie als Teil von funktionierenden Ökosystemen. Die meisten Nutzpflanzen und Obstbäume werden hauptsächlich von Hummeln bestäubt. Wildbienen, zu denen Hummeln gehören, Honigbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge bestäuben allein in Deutschland in einem geschätzten wirtschaftlichen Wert von 3,8 Milliarden Euro jährlich unser Obst, Gemüse und viele weitere Pflanzen.[1]
Doch gleichzeitig wird die Rote Liste immer länger: 37 % der Wirbeltiere, 32 % der wirbellosen Tiere wie Wildbienen, Schmetterlinge sowie Libellen, und 31 % der Pflanzen sind bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben.[2] Lebensräume verschwinden seit Jahrzehnten durch Flächenfraß. Sie werden beeinträchtigt und zerstört durch zu viel Dünger, zu viel Pestiziden und durch Lichtverschmutzung im großen Stil. Damit schaden wir uns selbst massiv.
Dabei brauchen wir mehr denn je funktionierende Lebensräume: Es geht schlicht um unsere Lebensgrundlagen, unsere Lebensmittelversorgung und den Kampf gegen Klimaerhitzung und dramatische Klimafolgen. Wir Bürger*innen brauchen den Schulterschluss mit der Natur. Das wird immer stärker überlebenswichtig werden.
Daher fordern wir bayerische Grünen:
- Naturschutz, Klimaanpassung und Natürlichen Klimaschutz zusammenzudenken und zusammen anzugehen
- Die EU-Renaturierungsverordnung nach Inkrafttreten zügig und vollständig umzusetzen
- Die Maßnahmen des Volksbegehrens Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern („Rettet die Bienen“) in der Praxis zu erfüllen und nicht als Papiertiger dahinsiechen zu lassen
- Die Natura-2000-Gebiete, also vernetzte FFH-Gebiete und Vogelschutzgebiete, konsequent zu schützen, indem wir die Managementpläne tatsächlich umsetzen, die Gebiete monitoren, und der Natur Vorrang vor anderen Nutzungen einräumen
- Mehr Schutzgebiete auszuweisen, um Rückzugsräume für die Natur zu schaffen
- Rechtlich gültige Schutzgebietsverordnungen für Naturschutzgebiete sowie Ausgleichs-/Ersatzmaßnahmen für Baumaßnahmen konsequent und zügig umzusetzen und Vollzugsdefizite aufzuholen
- Eine ambitionierte Strategie zur Pestizidreduktion umzusetzen
- Einen großflächigen Biotopverbund und Korridore zu gestalten, damit Arten wandern und sich austauschen können
- Schwammlandschaften und Schwammstädte zu schaffen und mit Artenschutzmaßnahmen zu kombinieren, um die Synergien aus Naturschutz, Klimaanpassung und Natürlichen Klimaschutz sinnvoll zu nutzen
- Ausreichend finanzielle Mittel für die Programme, Maßnahmen und Fachpersonal bereitzustellen
[1] Lippert et. al: Revisiting the economic valuation of agricultural losses due to large-scale changes in pollinator populations, 2020, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0921800920300793?via%3Dihub
[2] Rote-Liste-Zentrum des Bundesamtes für Naturschutz, https://www.rote-liste-zentrum.de/index.html



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