Beschluss vom Landesausschuss am 12.12.2020
Gerade in den Sportvereinen erleben queere Menschen, also Menschen die zum Beispiel homosexuell, bisexuell, trans oder inter sind, oft Ausgrenzung und Benachteiligungen. So kommt die Studie Outsport der Sporthochschule Köln von 2019 zu dem Ergebnis dass 16% der aktiven Sportler*innen in den letzten 12 Monaten persönliche negative Erfahrungen im Sport aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gemacht haben. Ein Fünftel der 858 Befragten fühlt sich aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität von bestimmten Sportarten ausgeschlossen, insbesondere vom Fußball (27%), Schwimmen (26%), Tanzen (12%) und Kampfsport (11%). Trans Personen fühlen sich insgesamt deutlich häufiger ausgeschlossen (56%).
Laut der Studie Queere Freizeit treiben queere junge Menschen tendenziell seltener Sport als cisgeschlechtliche heterosexuelle Jugendliche. Nur 66% der über 1.700 jungen queeren Menschen, die an der Studie Queere Freizeit teilgenommen haben, machen in ihrer Freizeit Sport. Zum Vergleich: In einer Studie zu Medien, Kultur, und Sport gaben 70% der Mädchen und über 80% der Jungen an, Sport zu treiben.
Wir GRÜNEN machen uns deshalb stark für mehr Diversity und Akzeptanz im Sport, denn gerade für junge Menschen kann der Sport eine wichtige Ressource für Anerkennung sein. Er ist gesund und trägt, gerade wenn er im Verein ausgeführt wird, zur Vernetzung und dem sozialen Zusammenhalt bei.
Bündnis 90/Die Grünen wirken deshalb auf Landesebene auf folgende Ziele hin:
- Die bayerischen Sportfachverbände sollen landesweit eine Antidiskriminierungsklausel für queere Menschen in ihre Satzungen aufnehmen.
- Sportverbände sollen eine Ansprechperson als Anlaufstelle für queere Menschen, die von Diskriminierung im Verein betroffen sind, benennen.
- Die Sportverbände sollen, zumindest übergangsweise, bis eine Regelung auf Bundesebene geschaffen wurde, eine Regelung treffen, wie trans und inter Personen im Breitensport an Damen- und Herrenwettbewerben teilnehmen können.
- Den Sportvereinen soll eine Übersicht mit möglichen Maßnahmen und „Best Practice“ Beispielen zum gelungenen und respektvollen Umgang mit queeren Sportler*innen ausgehändigt werden, an denen sie sich orientieren können.
- Die Sportvereine sollen die Möglichkeit bekommen, neben Männern und Frauen auch Mitglieder mit Geschlechtseintrag „divers“ an ihren zuständigen Sportfachverband melden zu können.
- Die Situation queerer Menschen und Maßnahmen gegen deren Diskriminierung sollen fester Bestandteil der Trainer*innenaus- und Fortbildungen werden.
Des Weiteren setzt sich Bündnis 90/Grünen auf Landesebene dafür ein,
- dass die Staatsregierung in der Sportförderrichtlinie eine vorhandene Antidiskriminierungsregelung als Voraussetzung für die Förderung ergänzt.
- dass ein Anreizsystem geschaffen wird um eine schnelle Umsetzung durch die Verbände zu bewirken.
- dass dem Landessportverband Mittel zur Verfügung gestellt werden, um Aufklärungsarbeit gegen Diskriminierung queerer Menschen in den Verbänden und Vereinen zu leisten.
- dass auf Landesebene eine Stelle benannt wird die Sportverbände und -vereine bei der individuellen Umsetzung von Antidiskriminierungsmaßnahmen und der Inklusion von trans und inter Menschen in den Trainings- und Wettkampfbetrieb berät.
- dass das Sportministerium zu regelmäßigen Vernetzungstreffen zwischen den Sportverbänden und Betroffenenverbänden einlädt um Maßnahmen und Ziele zu besprechen.
- dass die Landesregierung die Veränderungen bei der Akzeptanz und der Diskriminierung queerer Menschen im Sport über die nächsten Jahre mit einer Studie überwacht und über diese regelmäßig Bericht erstattet wird.
Als wichtigen Schritt zur Vorbereitung der genannten Ziele motiviert Bündnis 90/Die Grünen alle Mitglieder auf Landes-, Bezirks-, Kreis- und Ortsebene und insbesondere die Mitglieder, die selbst leitende Positionen in den Sportvereinen und -verbänden inne haben, mit den Vereinen und Verbänden in Dialog zu treten, die genannten Ziele darzulegen und auf Unterstützung hinzuwirken.
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