LDK-Beschluss

Nachhaltig produzieren: Langlebige und reparaturfreundliche Produkte schonen Umwelt und Geldbeutel

Wasserkocher, Handy oder Drucker – zu viele Geräte werden nach immer kürzeren Lebensdauern ausgetauscht. Bündnis 90/Die Grünen in Bayern unterstützt und befördert Initiativen für langlebige und reparaturfreundliche Produkte. Wir setzen uns dafür ein, längere Lebensdauern von Produkten zu fördern und möglichst sicherzustellen und dadurch zu einer Schonung der Ressourcen beizutragen.

Immer häufiger kommt es vor, dass Produkte schon während oder kurz nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung kaputt gehen und erneuert werden müssen. So ergaben Untersuchungen des Umweltbundesamts zum Beispiel, dass die Lebensdauer von Notebooks zwischen 2005 und 2012 von 6 auf 5,1 Jahre sank, ein Skandal angesichts des technischen Fortschritts. Zugleich stieg der Anteil der Ersatzbeschaffungen für noch sehr junge Geräte deutlich an, z. B. bei Flachbildschirmen.

Die Gründe für den erforderlichen Ersatz von Produkten sind sehr vielfältig. In vielen Produkten sind technische Schwächen durch den Einbau minderwertiger Teile feststellbar, so dass frühzeitig Reparaturen erforderlich sind oder Neugeräte angeschafft werden müssen. Weiterentwicklungen am Markt oder auch nur modische Erscheinungen lösen zusätzlich Ersatzkäufe aus. Reparaturen werden für viele Güter nicht angeboten oder erscheinen nicht rentabel.

Die sogenannte geplante Obsoleszenz, also die absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten (oder die Begrenzung der Nutzungsdauer) durch den gezielten Einbau von Schwachstellen, ist verstärkt in der öffentlichen Diskussion. Hinweise darauf sind nicht von der Hand zu weisen. So ist beispielsweise das Verkleben von Bauteilen problematisch. Es macht die Reparatur oder den Austausch einzelner Komponenten (wie dem Akku im Handy) häufig unmöglich. Dadurch muss das komplette Gerät ausgetauscht werden, obwohl nur eine kleine Komponente defekt ist.

Ökonomisch ist die Strategie der allmählichen Qualitätsverschlechterung für die Hersteller attraktiv. Der Markt belohnt niedrige Kosten und – damit verbunden – niedrige Preise mit steigender Nachfrage. Trotz niedrigerer Preise können die Unternehmen steigende Umsätze verzeichnen, da der Mengenabsatz überproportional anwächst. Eine Spirale entsteht zu immer minderwertigerer Ware, schnellerem Verschleiß und höherem Ressourceneinsatz. Klar ist jedoch, dass der frühzeitige Austausch von Geräten kaum Signal des Fortschritts ist und erhebliche
Auswirkungen hat. Der Großteil der Produkte wird nicht oder nur sehr eingeschränkt recycelt. So werden in Deutschland von den etwa 1,7 Millionen Tonnen Elektrogeräten, die jährlich verkauft werden, nur 40 Prozent sachgemäß verwertet. Die Folge: die Müllberge wachsen, die Reserven für Rohstoffe schrumpfen, Energieressourcen werden verbraucht und die CO2-Emissionen steigen.

Das alles geht häufig zulasten ökologischer, menschenrechtlicher und sozialer Standards insbesondere in der sog. „Dritten Welt“: Es herrscht ein schier unersättlicher und weltweit steigender Hunger nach Rohstoffen („ressource grabbing“). Die daraus resultierende rücksichtslose Ausbeutung von Lagerstätten führt in vielen Ländern des globalen Südens zu gewaltsamen Konflikten und massiven Umweltschäden und ist einer der Gründe für die weltweiten Migrationsbewegungen.

Und natürlich macht sich das auch ökonomisch bemerkbar: allein für Deutschland wird eine verlorene Kaufkraft von über 100 Milliarden Euro geschätzt – also mehr, als wir für Energie (Strom, Gas, Heizöl, Fernheizung) ausgeben.

Leidtragende sind verärgerte Bürgerinnen und Bürger, die häufiger Ersatz anschaffen müssen, zukünftige Generationen, denen wir die Lebensgrundlagen entziehen, und natürlich die Umwelt, durch den unnötigen Ressourcenverbrauch und die ständig wachsenden Emissionen von Schadstoffen. Nachhaltige Produkte lassen sich meist nur schwer oder gar nicht erkennen.

Wir Grüne machen uns deshalb stark für langlebige und reparaturfreundliche Produkte. Langlebige Produkte sind in der Ökobilanz grundsätzlich umweltfreundlicher, selbst wenn Produktnachfolgen weniger Energie im Einsatz verbrauchen. Sie schonen also die Umwelt und den Geldbeutel. Typischerweise machen gerade kleine und mittelständische Unternehmen mit hoher Qualität, verbraucherorientierten Service und dem Kundendienst vor Ort den Unterschied zu Billigprodukten, die dazu oft noch unter sozial und ökologisch schwierigen Bedingungen produziert werden. Dies stärkt vor allem die regionale Wirtschaft in Bayern. Ferner kann das Handwerk durch den Trend zur Reparatur ein wichtiges Standbein ausbauen.

Wir Grüne wollen mit verschiedenen Maßnahmen langlebige Produkte fördern und Verbraucherinnen und Verbraucher und die Umwelt entlasten. Wir setzen uns auf den unterschiedlichen Ebenen ein für

  • eine bessere Kennzeichnung von langlebigen Produkten, z. B. durch Herstellerhinweise zur durchschnittlichen Lebensdauer oder zur Mindestlebensdauer (Garantieaussagen),
  • die Kennzeichnung reparaturfreundlicher Produktdesigns, z. B. nach dem österreichischen Vorbild des dortigen „Gütezeichen für langlebige, reparaturfreundliche konstruierte elektrische und elektronische Geräte“ oder dem Vorschlag „Schraubenschlüssel“ der Reparatur-Initiativen in Deutschland,
  • die Definition von Mindestanforderungen an Qualität und Haltbarkeit (z. B. Festschreibung der EU-Ökodesign-Richtlinie) und eine Ausweitung des Mangelbegriffs im Gewährleistungsrecht,
  • eine längere, produktabhängige Gewährleistungsdauer,
  • eine gesetzliche Grundlage zur einfacheren Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen (z. B. durch einfache Erreichbarkeit des Herstellers, Rücksendemöglichkeiten, kurze Bearbeitungszeiten, Anspruch auf Vor-Ort-Service bei Großgeräten) unter Beteiligung des Internethandels und deren Vermittlern (Verkaufsplattformen),
  • eine verpflichtende Rücknahme und fachgerechtes Recycling von defekten Elektrogeräten auch durch den Versandhandel,
  • den verbesserten und dauerhaften Zugang zu kostengünstigen Ersatzteilen, auch durch die Entkriminalisierung der Digitalisierung oder Veröffentlichung von Reparaturunterlagen,
  • die strafrechtliche Ahndung der absichtlichen Verringerung der Lebensdauer von Produkten, ähnlich des französischen Betrugsdelikts „geplante Obsoleszenz“,
  • Repair-Cafes, also Einrichtungen, in denen defekte Geräte kostenlos und unter der Anleitung von Experten wieder funktionsfähig gemacht werden,
  • eine einfache Zugänglichkeit zu Informationen über langlebige und reparaturfreundliche Geräte.

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