Wald

Wald mit Zukunft

Beschluss des Digitalen Kleinen Parteitags der bayerischen Grünen vom 11. Juli 2020

Gesunde und intakte Wälder sind Wasser- und Luftfilter sowie Boden- und Lawinenschützer. Sie sind die grüne Lunge Bayerns und damit entscheidend für Erholung und Artenvielfalt. Wälder sind auch riesige Kohlenstoffspeicher, sie nehmen den Klimakiller Kohlendioxid auf und verwandeln es in Biomasse, sie sind unsere wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise. Gleichzeitig werden sie aber zunehmend auch Opfer des Klimawandels. Orkane, Hitze und Trockenheit machen unsere Wälder anfällig für Schädlinge, lassen ganze Wälder als Folge einer falschen Klimapolitik absterben.

1. Wald-Land Bayern erfolgreich durch die Klimakrise führen

Bayern ist das Bundesland mit der größten Waldfläche in Deutschland. Mehr als ein Drittel der Landesfläche (2,6 Millionen Hektar) ist bewaldet. Die bayerischen Wälder werden von etwa 700.000 Waldbesitzer*innen gepflegt und bewirtschaftet. Sie übernehmen damit auf fast 1,5 Millionen Hektar Waldfläche eine wertvolle Aufgabe in unserer Gesellschaft. Etwa 44% der bayerischen Waldfläche stehen als Staats- und Kommunalwald direkt im Eigentum der Bürger*innen des Freistaates. Für diese Flächen muss es Ziel sein, sie besonders vorbildlich zu bewirtschaften.

Die Klimakrise trifft Bayerns Wälder mit ganzer Wucht. Ein Hauptgrund dafür ist die hohe Geschwindigkeit, mit welcher die Klimaveränderung voranschreitet. Aufgrund der Langlebigkeit der Waldökosysteme machen drastische Umweltveränderungen in nur wenigen Jahrzehnten eine natürliche Anpassung praktisch unmöglich.

Besonders betroffen von der Erwärmung sind unsere Nadelwälder, die noch immer fast zwei Drittel der Waldfläche Bayerns ausmachen. In den vergangenen Jahrhunderten wurde zur schnellen Wiederbewaldung oftmals großflächig auf eine Nutzpflanzenart gesetzt und monokulturell Fichten- oder Kieferaufforstung durchgeführt. Fichten und Kiefern, die aber in Summe 59% des bayerischen Baumbestandes bilden, leiden nun besonders stark. In manchen Teilen Frankens bekommt neben Fichte und Kiefer sogar die Buche Probleme. Besonders die bayerischen Privat-Waldbesitzer*innen stellen diese Entwicklungen vor enorme wirtschaftliche Herausforderungen, die sie ohne Hilfe nicht mehr bewältigen können.

Die Fähigkeit, der Atmosphäre große Mengen CO2 zu entziehen, den Kohlenstoff langfristig im Ökosystem Wald und im Rohstoff Holz, unserem wichtigsten nachwachsenden Rohstoff zu speichern machen Bayerns Wälder zu einem Schlüsselfaktor im Kampf gegen den Klimawandel.

Bayerns Wälder verdienen aufgrund ihrer vielfältigen Funktionen unsere ganze Aufmerksamkeit. Wir müssen in Zeiten der Klimakrise richtig handeln, den Waldumbau fördern und forstpolitische Ziele so ausrichten, dass unsere Wälder sowohl als Lebensraum als auch als Wirtschaftsfaktor eine Zukunft haben. Eine grüne, zukunftsfähige, vorausschauende und ökologische Waldbewirtschaftung ist für die nachhaltige Entwicklung der ländlichen Räume Bayerns deshalb von größter Bedeutung.

Waldschutz-Initiative als Kernanliegen der Landespolitik

Nicht erst die Folgen der Klimakrise zwingen uns dazu, die Funktionen des Waldes neu zu bewerten und die vorrangigen forstpolitischen Ziele neu zu definieren. Die bereits 2007 auf Bundesebene beschlossene „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ hatte das Ziel, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Dieses Ziel wird Bayern, eines der waldreichsten Bundesländer, nicht nur verfehlen, sondern wir werden Schlusslicht im nationalen Vergleich werden. Das Volksbegehren für Artenvielfalt, das klar den Willen der Bürger*innen signalisiert, ist für uns GRÜNE der Auftrag hier nicht nachzulassen.

Dafür braucht es eine Priorisierung des Waldschutzes, des Walderhalts und des Waldumbaus. Wir GRÜNE wollen dies mit zweierlei Strategien der Anpassung erreichen: Waldprozessschutz und Nutzungsverzicht auf mindestens fünf Prozent der bayerischen Waldfläche gemäß den Zielen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt sowie eine konsequente Ökologisierung der Waldbewirtschaftung auf allen anderen Waldflächen. Die Erreichung des fünf-Prozent Schutzziels wird regelmäßig überprüft und der Beitrag der öffentlichen Hand bei Bedarf erhöht. Insgesamt gilt für uns, dass die verschiedenen Waldbesitzarten differenziert betrachtet werden müssen. Im privaten Waldbesitz setzen wir auf den Ausbau der Förderprogramme für mehr freiwilligen Artenschutz im Wald. Im kommunalen Waldbesitz wollen wir die Förderprogramme „Naturschutz im Wald“ stark ausbauen und gleichzeitig kommunale Interessen berücksichtigen. Staatlicher Waldbesitz muss aufgrund der Besitzart und der damit verbundenen Vorbildlichkeit deutlich mehr Waldnaturschutz auf der Fläche leisten als der Privatwald.

Wir fordern eine umfassende Waldschutz-Initiative, bei der der Fortbestand vorhandener sowie der Aufwuchs neuer Waldflächen zu einem Kernanliegen der Landespolitik gemacht wird. Dazu brauchen wir neben deutlich verbessertem Wildtiermanagement zur Unterstützung der natürlichen Waldverjüngung, einer Initiative für Begrünung von Mischwaldbeständen mit klimatoleranten Baumarten auch mehr Naturwälder, in denen sich der Wald von morgen ohne Bewirtschaftung entwickeln kann. Die Wälder von morgen müssen strukturreiche, naturnahe Mischwälder sein. Neben der Berücksichtigung der Aspekte der Klimaerwärmung müssen wir die Grundlagen für mehr Artenvielfalt in unseren Wäldern schaffen.

2. Wirtschaftswälder für die Zukunft fit machen

Wir müssen jetzt mutig handeln. Walderhalt, Waldschutz und die Förderung der Biodiversität im Lebensraum Wald sind als prioritäre Ziele anzuerkennen. Richtig bewirtschaftete Wälder können dauerhaft als CO2-Senke wirken, wenn die Bewirtschaftung auf die Herstellung besonders langlebiger Holzprodukte abzielt und eine Kaskadennutzung der Holzprodukte angestrebt wird. So können bewirtschaftete naturnahe Wälder und Plenterwälder, bewirtschaftete Dauerwälder mit Bäumen verschiedener Generationen, entstehen, die sich stets verjüngen. Nicht bewirtschaftete Wälder dienen der Klimaneutralität, da sie durch Zerfallsprozesse auf Dauer ebenso viel CO2 freisetzen wie sie binden, und dem Schutz der Artenvielfalt. Grundsätzlich schaffen unsere Wälder durch ihre hohe Verdunstungsleistung einen Klimaausgleich und wirken aufgrund der hohen aktiven Oberfläche als Luftfilter. Je nach Region übernehmen sie zusätzliche wichtige Funktionen: Im Alpenraum ist der Schutz der Wälder existenziell für den Schutz der Siedlungsräume, in den Metropolregionen sichern sie häufig das Trinkwasser. Unsere Wälder in all ihren Daseinsformen erfüllen vielerlei Funktionen, die jedoch regional und lokal eine sehr unterschiedliche Bedeutung entfalten.

Während im Süden Bayerns extreme Stürme unsere Wälder immer wieder großflächig gefährden, werden es im Norden vor allem Trockenheit und Hitze sein. Bayernweit nehmen Insektenkalamitäten zu, auch weil der Klimawandel diese fördert. Der Standort wird künftig für die Baumartenwahl wieder deutlich in den Vordergrund treten, wobei die Klimatoleranz entscheidend sein wird. Wir GRÜNEN setzen bei der Baumartenwahl auf eine wissenschaftliche Grundlage und in erster Linie auf unsere heimischen Arten.

Unterstützung beim nachhaltigen Waldschutz, aber ohne Gift

Der Klimawandel und die dadurch verursachten großflächigen Waldschäden begünstigen die Massenvermehrung von Schädlingen wie die Borkenkäferarten, welche die Fichten seit vielen Jahren gefährden. Den Einsatz von Pestiziden im Wald lehnen wir GRÜNE generell ab. Zur Borkenkäferbekämpfung setzen wir beispielsweise auf Früherkennung und frühzeitige Entnahme der befallenen Bäume.

Wir schaffen in waldreichen Landkreisen auch geeignete Lagerplätze, um kurzfristig und befristet große Schadholzmengen qualitätserhaltend lagern zu können. Die Waldbesitzer*innen unterstützen wir so bei ihrem Einsatz für die Wälder von morgen, weil große Käferholzmengen regelmäßig den Holzmarkt zusammenbrechen lassen. Dies bewirkt einen gravierenden Preisverfall. Der wertvolle Rohstoff Holz verliert schnell an Qualität, kann dann nur noch minderwertig verwertet werden, diesen volkswirtschaftlichen Verlust wollen wir künftig verhindern. Wir GRÜNEN fördern werterhaltende Nasslagerplätze zum Schutz des heimischen Holzmarktes.

Stehendes und liegendes Totholz ist ökologisch besonders wertvoll in unseren Wäldern: Lebensraum für viele gefährdete Arten sowie für natürliche Gegenspieler von Schadinsekten, Nährstoffspeicher, Erosionsschutz, Schutz vor Austrocknung der Böden, Kohlenstoffspeicher. Wir GRÜNEN wollen den Totholzanteil im Wald erhöhen, wir bauen die Förderung für Biotopbäume und den Verzicht, diese ökologisch wertvollen Bäume zu ernten, im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm Wald deutlich aus. Aufgrund verschiedener Faktoren ist dies vor allem für den Staatswald mit seinen großen, geschlossenen Waldflächen eine Möglichkeit die Strukturvielfalt und Biodiversität zu erhöhen.

Der Naturverjüngung den Vorzug geben

Der Naturverjüngung ist, wo immer dies möglich ist, der Vorzug gegenüber einer künstlichen Verjüngung durch Pflanzung zu geben. In Fällen, wo der notwendige Waldumbau es erfordert fördern wir aber die Einbringung von Mischbaumarten durch Pflanzung.

Durch Windwürfe, Borkenkäferbefall oder Brände entstandene Freiflächen sollten zur Förderung von Lichtbaumarten genutzt werden. Hier sind insbesondere Eiche, Kiefer oder Birke zu nennen. Dies ist auch eine Chance, an offene, lichte Wälder angepasste Lebensgemeinschaften gezielt zu fördern.

Waldböden besser schützen

Ein sehr wichtiges Anliegen muss es sein, die Wasserspeicherfähigkeit unserer Waldböden zu erhalten. Der Waldboden spielt eine besondere Rolle im Wasserkreislauf, er verlangsamt den oberflächlichen Abfluss bei Starkregen und sorgt für besonders gute Trinkwasserqualität. Laubholzreiche Mischwälder sorgen dabei für eine deutliche Verbesserung der Wasserspeicherfähigkeit sowie der Grundwasserspende. Bodenschonendere Holznutzung und Holztransport sind daher Voraussetzung zur Minimierung von Bodenschäden. Um die Wasseraufnahmefähigkeit der Waldböden zu erhalten, muss der Einsatz schwerer Großmaschinen zur Bestandspflege und Holzernte stark reduziert werden.  Wir GRÜNE wollen die Beratungskapazitäten zur bodenschonenden Bewirtschaftung deutlich ausbauen und den bereits jetzt verpflichtenden pfleglichen Umgang mit Waldboden flächendeckend sicherstellen.

Waldfunktionen ganzheitlich erhalten

Wir GRÜNE sehen die Notwendigkeit, die Waldfunktionskartierung lokal und regional stärker als Grundlage zur Planung von Maßnahmen einzubeziehen. Großflächige Waldverluste wirken wie Kahlschläge. Das großflächige Absterben von Wäldern ist also eine besondere Bedrohung, der es zu begegnen gilt. Wir fördern eine Waldentwicklung, bei der die natürliche Dynamik bestimmend ist. Die Waldfunktionsplanung der bayerischen Forstverwaltung für alle 18 Planungsregionen muss online für alle Waldbesitzer*innen einsehbar und Beratungsangebote zur Umsetzung der Planung müssen ausgebaut werden.

Der Wald hat Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktionen sowie Bedeutung für die biologische Vielfalt. Bannwälder sind deshalb nicht nur nach Fläche sondern wegen ihrer räumlichen Verteilung, ihrer Zusammensetzung und Strukturen zu erhalten. Wir GRÜNEN stärken den Schutz der Bannwälder aufgrund ihrer für uns lebenswichtigen Waldfunktionen, insbesondere wenn sie für gewerbliche Nutzung umgewidmet werden sollen.

Ökologische Waldbewirtschaftung auf ganzer Fläche: private Waldbesitzer*innen unterstützen

Der größte Anteil (55,7%) der Waldfläche Bayerns ist in privatem Eigentum und wird von privaten Waldbesitzer*innen bewirtschaftet. Mehr als 85% der Waldeigentümer*innen haben weniger als 5 Hektar Wald, 55% sogar weniger als 1 Hektar. Das bedeutet, dass 25% der Privatwaldfläche von kleinen bzw. kleinsten Waldbesitzer*innen zu pflegen ist und auf dieser Fläche keine regelmäßigen Nutzungen stattfinden (können). Etwa 75% der privaten Waldflächen werden also im Nebenerwerb und mit sehr unterschiedlichem Fachwissen bewirtschaftet.

Der bereits eingeleitete Waldumbau hin zu stabilen Mischwäldern und naturnahen Dauerwäldern stellt gerade Klein- und Kleinstprivatwaldbesitzer*innen vor eine sehr große Aufgabe. Mit finanzieller Förderung allein, beispielsweise für Laubholzpflanzungen, ist es dabei nicht getan.

Wir GRÜNE wollen Besitzer*innen beim Waldumbau begleiten und den Waldumbau in der Fläche durch Standortanalysen, Beratung durch Fachpersonal und finanzielle Mittel fördern. Dafür gilt es, den Stellenabbau in der Forstverwaltung zu stoppen und freiwillige Zusammenschlüsse von Waldbesitzer*innen durch eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung zu stärken, um die strukturellen Nachteile im Kleinprivatwald auszugleichen.

Privatwald freiwillig aus der Nutzung nehmen

Die vielfältige Struktur der Waldbesitzer*innen führt zu unterschiedlichen Herangehensweisen. Wer auf den eigenen Waldflächen im Rahmen des freiwilligen Vertragsnaturschutz auf eine Nutzung verzichten möchte, soll die Möglichkeit dazu haben und auch hierzu umfangreich beraten werden. So kann auch im Privatwald ein wertvoller Beitrag zur Erreichung des 5%-Ziels der der natürlichen Waldentwicklung geleistet werden.

Unser Wald braucht seine Förster*innen und Fachkräfte

Zur Erfüllung der steigenden Anforderungen bei der Waldbewirtschaftung sowie der zusätzlichen Aufgaben in Zeiten des Klimawandels ist es dringend notwendig, den Personalkürzungen im Bereich Forst ein Ende zu bereiten. Nur mit genügend und gut ausgebildeten Fachkräften und Personal in allen ländlichen Regionen kann die Bayerische Forstverwaltung ihre Aufgaben erfüllen.

Wir GRÜNE fordern deshalb den Stellenabbau bei den Revierförster*innen zu stoppen. Bei den Förster*innenstellen brauchen wir dringend eine Personalmehrung. Nicht zuletzt, um unseren Privatwaldbesitzer*innen mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können und eine gute Beratung zu gewährleisten. Diese Stellenmehrung brauchen wir nicht erst im Jahr 2030 – wir brauchen sie heute! Daher wollen wir in den nächsten vier Jahren bis zu 50 Förster*innen zusätzlich pro Jahr unbefristet einstellen. Durch diese Maßnahme sollen beratende Förster*innen wieder mehr Arbeitszeit vor Ort im Wald und weniger Zeit im Auto sowie im Büro verbringen. Da die Reviere in den Privatwäldern seit der Forstreform ständig vergrößert worden sein, ist hier ein Umsteuern in der Personalpolitik notwendig: Wir GRÜNE stoppen den Stellenabbau in der Forstverwaltung.

Wir GRÜNE machen Wirtschaftswald zukunftsfest, durch

  • ein Ende des Pestizideinsatzes im Wald.
  • den Schutz des heimischen Holzmarktes durch die Förderung von (Nass-)lagerplätzen in jedem waldreichen Landkreis.
  • attraktive Förderung des Ernteverzichts von Biotopbäumen und Waldbeständen.
  • die Förderung der Pflanzung von Mischbaumarten zum Waldumbau an erforderlichen Stellen.
  • den generellen Ausbau der Beratungsangebote für Waldbesitzer*innen durch die unbefristete Einstellung von 50 Förster*innen pro Jahr.
  • die Förderung einer Standortanalyse für alle Waldbesitzer*innen
  • mehr Beratungsangebote zur bodenschonenden Bewirtschaftung des Waldes.
  • Online-Verfügbarkeit der staatlichen Waldfunktionspläne in allen 18 Planungsregionen in Bayern und ausgebaute Beratungsangebote zur Umsetzung der Planung.
  • den Erhalt der Bannwälder Bayerns.

3. Öffentliche Wälder zu Klima- und Artenschützer*innen machen

Gerade die Wälder in öffentlicher Hand sehen wir GRÜNE in Krisenzeiten wie diesen in einer elementaren Vorbildrolle. 31,9% der bayerischen Wälder sind Staatswald und 12,4% Körperschaftswälder, also Wälder von Städten und Gemeinden sowie kommunaler Stiftungen. Besitzer*innen öffentlicher Wälder müssen diese vorbildlich bewirtschaften, das Gemeinwohl an erste Stelle stellen und ihren Beitrag zur Umsetzung der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ leisten. Walderhalt und der Aufbau klimatoleranter, artenreicher Wälder muss dort im Vordergrund stehen. Gewinnerzielungsabsichten müssen in den Hintergrund treten. Wir GRÜNE setzen im öffentlichen Wald auf eine Bewirtschaftung, die den Prinzipien der naturgemäßen Waldwirtschaft entspricht. Denn nur ein gesunder, naturnaher und strukturreicher Wald ist in der Lage, seine vielfältigen Funktionen nachhaltig zu erbringen.

Förderung und Unterstützung kommunaler Wälder

Wir wollen unsere Kommunen im Umgang mit ihren Wäldern deutlich besser unterstützen und die Beratung vor Ort stärken. Dafür braucht es ausreichend und gut ausgebildetes Personal in der Fläche. Zudem wollen wir beim Schutz unserer Wälder alle mitnehmen, weshalb hier auch Wälder in kommunaler Hand beim Naturschutz berücksichtigt werden sollen. Viele Kommunen leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz im Wald. Diese freiwilligen Leistungen bei der Umsetzung der Natura-2000-Ziele gilt es zu honorieren. Wer sich dem Nutzungsverzicht verschreibt, muss ebenso entlohnt bzw. gefördert werden. Deshalb wollen wir die Mittel für den Vertragsnaturschutz erhöhen und langfristen Naturschutz und Naturwaldflächen ausbauen. Auch Körperschaftswälder werden so zum Erreichen des 5%-Ziels der natürlichen Waldentwicklung beitragen. Neben flächigen Großschutzgebieten auf Staatswaldgebieten wollen wir auf diesem Weg ein Netz aus kleinen, mittleren und großen Naturwaldkomplexen schaffen, die ein repräsentatives und kohärentes Naturwaldverbundsystem auf dem gesamten bayerischen Staatsgebiet bilden.

Neben Flächen für den Prozessschutz müssen wir aber auch die Grundlage für mehr Artenvielfalt in unseren bewirtschafteten kommunalen Wäldern schaffen. Dies kann gelingen, wenn mit Elementen des Naturwaldes, wie Biotopbäume und Totholz, ganz gezielt die Alters-, die Zerfalls- sowie die frühen Sukzessionsphasen natürlicher Wälder in den Wirtschaftswald integriert werden. Damit wird die Bodenfruchtbarkeit verbessert, die Stabilität des Ökosystems erhöht und Lebensraum für waldspezifische Arten geschaffen. Sowohl den Belangen des Artenschutzes wie auch den veränderten Bedingungen in den Zeiten der Klimaerwärmung werden wir damit gerecht. In der Umsetzung derartiger Maßnahmen wollen wir GRÜNE die Kommunen aktiv unterstützen.

„Bayerische Staatsforsten“ endlich zur Avantgarde der ökologischen Waldbewirtschaftung entwickeln

Die Bewirtschaftung des Staatswaldes muss den Prinzipien der naturgemäßen Waldwirtschaft entsprechen. Selbst nach Erreichen aller geforderten Schutzziele sollen 90% Staatswaldfläche ökologisch bewirtschaftet werden, um auch weiterhin den nachwachsenden Rohstoff Holz zu ernten. Beim Waldumbau müssen die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) zum Vorbild für alle anderen Waldbesitzer*innen sein. Der Holzeinschlag soll an ökologischen Kriterien ausgerichtet werden. Wir GRÜNEN wollen, dass die Bayerischen Staatsforsten Taktgeber in Europa werden und die Standards für eine ökologische Waldbewirtschaftung setzen.

Die vom Unternehmen BaySF vorgelegte Nachhaltigkeitsstrategie zum „Wertewald“ sowie die darin formulierte Vision, Ökologie, Wirtschaftlichkeit, soziale Verantwortung und Zukunftsfähigkeit zusammenzuführen mit dem Ziel, einen zukunftsfähigen, gesunden und klimastabilen Wald zu erreichen, weist in die richtige Richtung. Ob die Schutzziele erreicht werden, erscheint angesichts der ebenfalls formulierten Absicht, „angemessene Gewinne“ zu erwirtschaften, jedoch fraglich. Gerade in Krisenzeiten müssen Walderhalt, Klimatoleranz und Waldumbau in den Mittelpunkt des Handelns der BaySF gerückt werden. Die Gewinnerwartung im Haushalt der Staatsregierung für die BaySF muss daher dauerhaft auf null gesetzt werden. Sämtliche Erlöse sollen im Unternehmen bleiben, damit es die steigenden gesellschaftlichen Anforderungen erfüllen kann.

Die Bayerischen Staatsforsten müssen Vorreiter beim Artenschutz und der Ausweisung von Wäldern sein, die der natürlichen Waldentwicklung überlassen werden. Um das bayernweite 5%-Ziel zu erreichen schlagen wir GRÜNE vor, im Staatswald mindestens 10% der Wälder aus der Nutzung zu nehmen. Die Behauptung des Unternehmens, dieses Ziel bereits erreicht zu haben, ist nachweislich falsch, denn es werden auch rechtlich nicht gesicherte Flächen und Gebiete, wie Klasse 1-Waldbeständ oder Hiebsruheflächen berücksichtigt. Diese Flächen müssen aber mit einem rechtlich gesicherten Schutzstatus langfristig gesichert sein.

Neben den Großschutzgebieten (Kernzonen der Nationalparke) kommt aus der Sicht der Biodiversität den Naturwaldreservaten eine besondere Bedeutung zu. Wir GRÜNE wollen beides auf Staatswaldflächen ausbauen. Durch Großschutzgebiete in Form von Nationalparks und Prozessschutzgebieten unterschiedlicher Größe wollen wir eine natürliche Waldentwicklung und Strukturvielfalt über ganz Bayern verteilt gewährleisten. Dabei gilt es, besonders wertvolle Gebiete vorrangig zu berücksichtigen und wissenschaftlich auszuwählen. Buchenwälder, Moore, Fluss- und Auwälder sowie der Alpenraum gehören zu den besonders schützenswerten Lebensräumen. Bayern trägt hier national und international eine hohe Verantwortung. Deshalb wollen wir weitere Nationalparke schaffen. Wir bekräftigen den Beschluss über die Ausweisung eines Nationalparks Steigerwald. Wir fordern die Regierung von Oberfranken auf, das Schutzgebiet „Hoher Buchener Wald“ wiederherzustellen. Wir wollen außerdem weitere Nationalparke ausweisen: Auch der Spessart, das Ammergebirge, Isar- und Donauauen und die Rhön bedürfen unseres besonderen Schutzes.

Wir fordern außerdem die Umsetzung des Willens von 1,8 Millionen Bürger*innen, die das Volksbegehren Artenschutz unterstützt haben. Die bisherige Ausweisung lässt schutzbedürftige Gebiete außen vor und Prozessschutz bedeutet auch die Schaffung großer Schutzflächen. Das Konzept „Trittsteine der Natürlichen Waldentwicklung“ der BaySF zur Schaffung einer Vielzahl kleiner und mittlerer Naturschutzbereiche, trittsteinartig auf der ganzen Fläche verteilt, begrüßen wir. Es ist fördert die Strukturvielfalt in den Wäldern und schafft einen Biotopverbund. Das Konzept muss auf ganzer Fläche ausgebaut und auch für private und kommunale Waldbesitzer*innen durch entsprechende Förderung geöffnet werden.

Um diesen Zielen und besonders den Zielsetzungen der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ bis Ende des Jahres 2020 noch nachkommen zu können, ist rasches Handeln erforderlich. Deshalb fordern wir die Bayerischen Staatsforsten auf noch aktiver zu werden. Auch bei den Bayerischen Staatsforsten müssen daher Personalkürzungen enden und im Gegenteil an notwendigen Stellen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Wir GRÜNE machen öffentliche Wälder und Körperschaftswälder zum ökologischen Vorbild, durch

  • mehr Förderung für Kommunen und anderen Körperschaften für den Erhalt von Biotopbäumen und die Bewahrung von Totholz
  • mehr Förderung für Kommunen und anderen Körperschaften im Vertragsnaturschutz
  • die Umstellung der Bewirtschaftung im gesamten Staatsforst nach den Prinzipien der naturgemäßen Waldwirtschaft
  • ein Ende der Gewinnorientierung der „Bayerischen Staatsforsten“ und die Nutzung von Erlösen für gemeinwohlorientierten Waldschutz, -umbau und -nutzung.
  • den Nutzungsverzicht von 10% der Wälder im Staatsforst.
  • die Ausweisung eines dritten Nationalparks im Steigerwald und die Schaffung weiterer Naturwaldreservate.

4. Wildtiermanagement: an der Waldverjüngung ausrichten

Wir benötigen dringend ein Umdenken und eine grundlegende Neuausrichtung in der Jagd. Die bisher praktizierte Jagd hat bislang nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Der seit Jahrzehnten vorhandene, zu hohe Verbiss an ökologisch wertvollen Baumarten wie der Tanne, der Eibe, der Eiche und vielen anderen klimatoleranten Laubbaumarten hat zu einer systematischen Entmischung der Baumarten und stellenweise einer Verarmung der Vielfalt geführt. Die natürliche Verjüngung aller heimischen Baumarten auf der Fläche muss aber zwingend möglich sein, um die Baumartenvielfalt zu sichern und stabile, standortgerechte Wälder zu gewährleisten. Deshalb bedarf es eines an der Ökologie des Waldes ausgerichteten Wildtiermanagements. Die wissenschaftliche Erforschung einer langfristigen Regulation der Tierpopulation möchten wir GRÜNE ausbauen.

Die Jagd muss sich an der natürlichen Waldverjüngung orientieren. Vegetationsgutachten sind die Grundlage der Planung. Der Verbiss von Jungpflanzen wird auf ein noch tolerierbares Maß begrenzt. GRÜNE Jagdpolitik richtet sich streng an den Kriterien der Ökologie und des Tierschutzes aus. Wir werden ein echtes Wildtiermanagementgesetz einführen, um dem gesamten Ökosystem Wald sowie den Lebensraumgesellschaften gerecht zu werden. Die sich dramatisch verändernden Lebensräume unserer Wildtiere erfordern eine kluge Neuausrichtung des Managements. Durch eine angepasste Jagd wollen wir deshalb einen möglichst intakten Lebensraum für unsere Wildtiere erhalten. Die unteren Jagdbehörden wollen wir in die Ämter für Ernährung Landwirtschaft und Forsten integrieren. Das forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung wollen wir stärken und ausbauen. Revierweise Aussagen und anschließende Jagdbegänge zur Beteiligung der Waldbesitzer*innen und Jäger*innen müssen flächendeckend in 12.700 Jagdrevieren in Bayern angefertigt werden. Mit staatlicher finanzieller Förderung wollen wir Pilotprojekte über den Zusammenschluss von mehreren Jagdgenoss*innen ermöglichen, die eine*n Förster*in einstellen, welche*r das Jagdmanagement ausübt.

Eine konsequente Bestandsregulierung des Schalen- und des Schwarzwildes ist ebenso Bestandteil GRÜNER Jagdpolitik wie der Schutz von gefährdeten Tierarten, die nicht bejagt werden dürfen. Den Abschuss von Haustieren sowie den Einsatz von Fallen lehnen wir ab. Den Zwang zur Trophäenschau werden wir abschaffen. Wir wollen einen Schießnachweis und den Verzicht auf bleihaltige Büchsenmunition gesetzlich verankern. Die Fütterung von Wildtieren wollen wir nur noch in tatsächlichen Notzeiten zulassen. Die Liste der jagdbaren Tierarten werden wir überarbeiten. Wir fordern den sofortigen Stopp der Bejagung des Eichelhähers, der großen Einfluss auf eine gelingende Naturverjüngung nehmen kann. Revierübergreifende Drückjagden mit überjagenden Hunden sind wichtiger Bestandteil der Jagd. Jagdzeiten werden wir synchronisieren: Beide Geschlechter müssen gleichzeitig bejagt werden, mit Schwerpunkt im Herbst/Winter.

Luchs, Bär & Co sind als Rückkehrer Teil des Ökosystems Wald und tragen zu unserem langfristigen Ziel des natürlichen Gleichgewichts im Wald bei. Beispiele anderer Länder zeigen, dass ein Zusammenleben zwischen Wildtieren aller Art und Menschen möglich ist und auch in Bayern möglich sein muss. Wir GRÜNEN setzen auf Aufklärung und Sensibilisierung sowie auf kluge Managementpläne. Wir wollen über Umweltbildungsmaßnahmen in Kindergärten und Schulen das Miteinander fördern und unbegründete Ängste abbauen.

5. Forschung intensivieren für den Wald der Zukunft

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der Forschungsbedarf hoch ist, wenn es um Fragen der Klimatoleranz unserer Wälder geht. Das müssen wir ändern. Wir GRÜNE intensivieren deshalb die Forschung zur Anpassungsfähigkeit von Baumarten und zur Widerstandsfähigkeit unserer Wälder unter der Obhut der Bayerischen Staatsforsten im Staatswald sowie im Privatwald unter der Führung der LWF. Den einzelnen Forstbetrieben innerhalb des Unternehmens kommt hier eine besondere Bedeutung zu und es müssen Ressourcen und Freiräume geschaffen werden, damit Forschung zu einer zentralen Aufgabe im Staatswald wird.

An möglichst vielen und möglichst unterschiedlichen Standorten wollen wir deshalb ein „Forschungsnetzwerk Wald“ aufbauen. Die Forschung muss sowohl auf Prozessschutzflächen als auch auf bewirtschafteten Flächen intensiviert werden. Klimakrise, Umbau der Wälder, der mittelfristig steigende Anteil der Laubhölzer erfordern genauso wie die notwendigen Innovationen im Bereich der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe schon heute größere Anstrengungen in Forschung und Lehre. Wir wollen die Forschung an den Hochschulen Bayerns in diesem Sektor deutlich stärken, um unseren europäischen Spitzenplatz zu verteidigen. Wir begrüßen die Kooperationen der BaySF mit bayerischen Universitäten.

6. Holzbau fördern für mehr Klimaschutz und regionale Wertschöpfung

Die Forst- und Holzwirtschaft schafft insbesondere im ländlichen Raum wertvolle Arbeitsplätze und stellt deshalb einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Sie ist Motor für eine nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume.

Wir GRÜNE wollen diesen Sektor und nachhaltig die Laubholzwirtschaft stärken und weiter ausbauen, indem wir den dezentral in der Region wachsenden Rohstoff Holz wieder verstärkt den regionalen Wirtschaftskreisläufen zuführen. Unser Ziel ist es, den nachwachsenden Rohstoff Holz so nachhaltig und naturverträglich wie möglich bereitzustellen und ihn so intelligent und effizient wie möglich zu nutzen. So erhalten wir Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen und nutzen unsere Holzprodukte als Kohlenstoffspeicher.

Studien und Ökobilanzen belegen, dass die Verwendung von Holz vor allem in langlebigen Produkten nicht nur energieeffizient, sondern auch hinsichtlich der Verminderung der Treibhausgasemissionen positiv wirkt. Der Rohstoff Holz wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Wir wollen die Chancen des Holzbaus als Methode der langfristigen Kohlenstoffbindung nutzen. Wir GRÜNE fördern eine nachhaltige Kaskadennutzung des Holzes. Der Einsatz von Holz als Baumaterial und als Werkstoff muss dafür erhöht werden. Nach mehreren Stufen stofflicher Nutzung sind Holzprodukte als Energieträger zu verwerten. Die energetische Verwertung am Ende einer Nutzungskaskade ersetzt fossile Energieträger und vermindert auf diese Weise die CO2-Emissionen. Die direkte energetische Nutzung von Waldholz ist für diejenigen Sortimente sinnvoll, die keiner stofflichen Nutzung zugeführt werden können.

Wir GRÜNE setzen uns für mehr Holznutzung im Bauwesen für eine Landesbauordnung ein, die den Baustoff Holz nicht benachteiligt. Wir bauen die Investitionen in Forschung, Aus- und Weiterbildung aus und schreiben eine stärkere Berücksichtigung des ökologischen Fußabdrucks der verschiedenen Bauweisen bei öffentlichen Aufträgen und in der Bauleitplanung fest. Wir fordern eine Strategie zur Holzverwendung und langfristiger Kohlenstoffspeicherung für Bayern, die diesem Namen auch gerecht wird. Unsere Wälder und Waldbesitzer*innen brauchen unsere Unterstützung jetzt. Sie stehen mit der Klimakrise vor einer nie dagewesenen Herausforderung. Politisches Handeln muss jetzt mutig ansetzen für eine Zukunft klimaresistenter Wälder und Klimaschutz in allen Bereichen umsetzen.

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