Nachdem 1918 das aktive und passive Wahlrecht für Frauen eingeführt wurde, zogen bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919, also vor 100 Jahren, erstmals 37 weibliche Abgeordnete ins Parlament ein. Einen Monat später betonte am 19. Februar in der ersten Rede einer Frau in der Nationalversammlung die SPD-Politikerin Marie Juchacz (1879-1956): „Ich möchte hier feststellen, und glaube damit im Einverständnis vieler zu sprechen, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“
Landesvorsitzende Sigi Hagl nimmt den 100-Jahrestag zum Anlass, darauf aufmerksam zu machen, was 100 Jahre später immer noch keine Selbstverständlichkeit ist: „Mein Dank gilt allen Frauen, die dieses Recht für uns alle erkämpft haben. Doch am Ziel sind wir leider noch lange nicht: Der neu gewählte Bayerische Landtag umfasst so wenige weibliche Abgeordnete wie schon lange nicht mehr. Dass es Fraktionen gibt, die nicht einmal 10% Mandatsträgerinnen haben, ist ein Armutszeugnis für die Gleichstellung in unserer Demokratie.“
Der Frauenanteil im Bayerischen Landtag war zuletzt 1998 mit 24,5% ähnlich niedrig wie 2018 (26,8%).
Hagl: „Mit der Änderung des Wahlrechts wollen wir Grüne diese Ungerechtigkeit beseitigen. Mit Blick auf die Kommunalwahlen 2020 gibt es auch in der kommunalen Politik großen Handlungsbedarf. Nur drei von 54 Oberbürgermeister*innenposten sind mit Frauen besetzt, fünf der 71 bayerischen Landräte weiblich. Wir brauchen eine bayerische Frauenoffensive auf ganzer Linie. Nur mit der Hälfte der politischen Macht kann echte Gleichstellung erreicht werden.“
Zum Gesetzesentwurf der grünen Landtagsfraktion:



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