Dieter Janecek mit Cem Özdemir auf Wirtschaftstour durch Bayern
Die Zeiten, in denen Ökologie und Ökonomie als Gegenbegriffe verwendet wurden, sind endgültig vorbei. Das ist nur eine Erkenntnis aus der Wirtschaftstour, die Cem Özdemir und Dieter Janecek vergangene Woche quer durch Bayern geführt hat. Der Green New Deal ist angekommen in den Strategieabteilungen mittelständischer und großer Firmen. So wurden bei den Gesprächen mit Führungskräften von Siemens, BMW und Sixt zwar noch keine grünen Mitgliedserklärungen unterschrieben, aber der Dialog fand auf Augenhöhe statt.
Am Mittwoch den 19.10. startete die Wirtschaftstour mit einem UnternehmerInnendialog in Nürnberg. Das direkte Gespräch mit Unternehmern aus der Region wurde veranstaltet von UDI (UmweltDirektInvest) und warf viele Fragen von der landwirtschaftlichen "Vermaisung" ganzer Landstriche in Bayern bis hin zu Problemen und Notwendigkeiten des bundesweiten Stromnetzeausbaus auf. Uwe Kekeritz (MdB), Dieter Janecek und Cem Özdemir antworteten zwei Stunden auf Fragen und zeigten, wo Grüne mit der ökologischen und ökonomischen Zukunft Deutschlands hin wollen.
Der Donnerstag begann dann im Landratsamt Erlangen, mit der Vorstellung des Projektes "Schule ohne Rassismus" durch Schüler aus der Region. Eingeladen hatten der Erlanger Landrat Eberhart Irlinger (SPD) und sein Stellvertreter Manfred Bachmayer (Grüne). Cem, selbst Pate bei dem Projekt, beantwortete Fragen und wurde von den Schülern auf Erfolge und ganz aktuelle Probleme des Projektes aufmerksam gemacht.
Im Anschluss ging es zum Besuch bei SIEMENS, um den 2011 ins Leben gerufenen neuen Unternehmenssektor Infrastructure & Cities kennen zu lernen. Schon auf dem Innenhof/Parkplatz wurde das Tour-Elektroauto mit hundertprozentigem versorgt. Gemeint ist natürlich Strom aus 100% regenerativer Erzeugung, mit dem das Auto betankt wurde. Im Anschluss präsentiere Dr. von Salden (Head Energy Strategy) und Dr. Böhm (Vice President Governement Affairs) wie sich SIEMENS die Energiewende mit der Abkehr von der Atomkraft konkret vorstellt. Im Zentrum der Gespräche standen die Themen Elektromobilität, Off Shore Windkraft und Wasserstoff-Energiespeicher.
Von Erlangen ging der Weg dann nach Würzburg, zur Kundgebung "Grüner Wirtschaftsherbst" auf dem Marktplatz. Cem Özdemir und Dieter Janecek stimmten mit ihren Redebeiträgen die zahlreich erschienenen Teilnehmer auf die Herausforderungen des Energiewandels ein und gaben die klare Botschaft aus, der Umstieg auf die regenerativen Energieformen ist nötig, möglich und die beste aller Alternativen. Ein weiteres zentrales Thema war die Euro-Krise und das Szenario einer verstärkten europäischen Zusammenarbeit und Wirtschaftsregierung.
Am Nachmittag zeigte INA-Schaeffler/FAG dann in Schweinfurt, in welchen Bereichen die Traditions-Zulieferfirma an der Energie- und Mobilitätswende mitwirkt. Eingeladen waren neben Cem und Dieter die grünen Lokalpolitiker Margret Osterloh, Marc-Dominic Boberg und Walter Rachle. Besonders beeindruckend war der Besuch auf dem Teststand für Windkraftanlagen, auf der Schaeffler Wälzlager für besonders leistungsstarke Windräder testet. Als Zulieferer auch für Energieerzeuger nimmt das Geschäft für Schaeffler in diesem Bereich immer stärker zu.
Der letzte Firmentermin am Donnerstag war dann ein längeres Gespräch mit der Firma IBC-Solar, einem Photovoltaik Unternehmen der ersten Stunde, dass seit seiner Gründung mehr als 200 Jobs im Bereich regenerative Energien geschaffen hat. Wichtige Themenfelder im Gespräch mit Firmengründer Udo Möhrstedt waren neben der Solarstromerzeugung besonders Speichertechnologien. Die Möglichkeit selbst produzierten Sonnenstrom zu speichern und dann zu verwenden, wenn die Sonne nicht scheint ist dabei ebenso wichtig wie das ganze Thema intelligente Stromnetze. Denn wenn mehr Wind weht als Strom gebraucht wird, ist es wichtig, Speicherkapazitäten am Netz zu haben, damit diese Energie nicht verloren geht.
Der Unternehmerdialog am Abend in Weiden bei der Firma Iliotec, bildete den Abschluss eines ereignisreichen Tages. Am Erfahrungs- und Meinungsaustausch zwischen Grünen und Unternehmern aus der Region nahmen unter anderen Stefan Schmidt, Gisela Helgath und Andrea Schuch-Leitl von den oberpfälzischen Grünen teil. Besonders das Thema Biomasse fand sich in vielen Diskussionsbeiträgen wieder. Wie schon am Unternehmerdialog in Nürnberg festzustellen war, rückt der Konflikt Teller versus Tank immer stärker ins Bewusstsein der Menschen. Die Energieerzeugung aus Biomasse, so machte Cem deutlich, sei auch aus grüner Sicht nicht optimal und kann nicht allein im Fokus grüner Bemühungen um die Energiewende stehen.
Der Freitag machte mit zwei Terminen dann noch einmal Mobilität zum Thema. Beim Besuch in der BMW Zentrale in München wollte der Münchner Weltkonzern Cem, Dieter und den beiden Vorständen der Münchner Grünen Katharina Schulze und Sebastian Weisenburger beweisen, dass Mobilität auch bei BMW in mittelfristiger Perspektive anders aussehen wird als heute. Präsentiert wurde das zur Verbrauchsreduzierung eingeleitete Efficient Dynamics Programm (Investitionen 1,5 Mrd. Euro), die Leichtbauweise bei BMW, die Hybrid-Konzeptautos i3 und i8 sowie das Carsharing-Modell DriveNow. Mit seinen bereits getätigten Investitionen im Bereich neue Mobilität steht der Konzern heute nach eigenen Aussagen in vielen Bereichen besser da als direkte Konkurrenten.
Seinen Abschluss fand die Wirtschaftstour dann in einem Termin mit Alexander Sixt vom gleichnamigen Automobilverleiher, der eindringlich schilderte, dass Mobilitätsdienstleister sehr stark an Carsharingmodellen in deutschen Großstätten interessiert sind. Ein Carsharing-Fahrzeug kann in den Städten je nach Studie bis zu 8 Fahrzeuge in Besitz ersetzen und trägt somit neben einem starken ÖPNV und Radverkehr massiv zur Reduktion des individualisierten PKW-Verkehrs bei. Bei den Zukunftsaussichten waren sich alle einig, gerade bei Autos wird Nutzung vor Besitz gehen und damit eine Wende im Verständnis von persönlicher Mobilität einleiten. Parkplatzprobleme und verstopfte Innenstädte gehören mit einem funktionierenden innerstädtischen Carsharingmodel der Vergangenheit an. Auch der Einsatz moderner Informationstechnologien wird hierbei eine wichtige Rolle spielen.
Eine Fotogalerie der Tour gibt es auf unserem Flickr-Kanal.












