50% aller Anorexie-Erkrankungen enden tödlich
... und besonders häufig durch Suizid. Somit hat Anorexie die höchste Todesrate bei allen psychischen Erkrankungen. Das erfuhren Theresa Schopper, Landesvorsitzende, und Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende im Landtag, die Anfang Februar gemeinsam mit Hanna Sammüller, Stadtvorsitzende, Jutta Koller, Stadträtin, und Doris Wagner, Frauenreferentin der Bayerischen Grünen, das TCE (Therapie-Centrum Essstörungen München) besucht haben. <br /><br />Anorexie ist eine der drei Ausprägungen von Essstörungen, die vor allem bei Mädchen, aber auch bei Jungen, in besorgniserregendem Maße zunehmen. <br />Neben Magersucht und Bulimie gibt es das neuere Phänomen Binge-Eating, Essanfälle ohne kompensatorische Maßnahmen. <br /><br />Ein hohes Risiko an einer Essstörung zu erkranken ergibt sich, wenn mehrere Faktoren zusammen kommen: Großes Figurbewusstsein, die Überzeugung, dass Schlankheit mit beruflichem und gesellschaftlichen Erfolg untrennbar verbunden ist, Selbstunsicherheit und fehlende soziale Kompetenz. Oft sind Menschen, die an einer Essstörung leiden ehrgeizig, betreiben exzessiv Sport und sindsehr angepasst, was häufig dazu führt, dass die Krankheit erst spät erkannt wird. <br /> <br />Neben schwersten medizinischen Komplikationen leiden die Betroffenen unter einem übergroßen Druck und enormen Qualen. Die jungen Frauen haben eine völlig verzerrte Selbstwahrnehmung, die oft einhergeht mit Ekel vor dem eigenen Körper und der eigenen Weiblichkeit. <br /><br />Frau Dr. Lachenmeir, Leiterin des TCE, bedauert besonders die Unkenntnis von ÄrztInnen. Essstörungen werden häufig nicht als lebensbedrohende Erkrankungen wahrgenommen, die medizinische Brisanz wird unterschätzt.<br />„Wichtig wäre mehr Aufklärungsarbeit bei ÄrztInnen und LehrerInnen. Überhaupt wäre eine „andere Schule“ wünschenswert. Weniger Druck, mehr Schulpsychologen mit einem Auge für die Symptome, die im Extremfall bereit sind, die Betroffenen so lange vom Unterricht auszuschließen, bis sie die Essstörung überwunden haben. Auch regelmäßige, gemeinsam eingenommene Schulmahlzeiten wären ein Signal, dass Nahrung etwas Wichtiges, zum Leben Dazugehöriges ist. <br /><br />Besonders zu bemängeln ist das geringe Behandlungsangebot für sehr junge PatientInnen, die nicht in therapeutischen Wohngemeinschaften des TCE behandelt werden können. Allein das TCE hat 2009 40 Beratungsgespräche mit jungen Patientinnen geführt, die aber aufgrund ihres Alters hier nicht aufgenommen werden konnten. Darüber hinaus gab es zahlreiche weitere telefonische Anfragen, die direkt abgewiesen werden mussten. Insgesamt gibt es deutlich zuwenig ambulante Therapieplätze und so überlange Wartezeiten.<br /><br />Wie schon in den Besuchen von Theresa Schopper beim Arbeitskreis Essstörungen Rosenheim, in der Klinik Roseneck in Prien und der Beratungsstelle Waagnis in Regensburg deutlich wurde, muss die Prävention ausgebaut werden, die Sensibilisierung von Ärzten und Zahnärzten vorangetrieben werden und vor allem die Selbsthilfeangebote im ländlichen Raum ausgebaut werden. Dies sind die politischen Hausaufgaben. Gleichzeitig muss sich das gesellschaftliche Bewusstsein so verändern, damit nicht bereits 9-Jährige schon in den Diätwahn einsteigen.










